Am Mittwoch (28. April) hat die Kreiselternvertretung für Kindertageseinrichtungen im Kreis Rendsburg-Eckernförde im Kreishaus in Rendsburg auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit Landes- und Kreispolitikern über die derzeitige und künftige Politik für Kindertageseinrichtungen diskutiert.
Auf dem Podium vertreten waren die Landtagsabgeordneten Marion Herdan, CDU, Günther Hildebrand, FDP, Dr. Kai Dolgner, SPD, Dr. Marret Bohn, Bündnis 90/Die Grünen, Anke Spoorendonk, SSW, sowie die Kreistagsabgeordnete Daniela Asmussen für die Partei Die Linke. Moderiert wurde die Diskussion von Michael van Bürk vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein. Norbert Schmidt als Fachdienstleiter „Jugend und Familie“ der Kreisverwaltung hatte den Abend eröffnet.
Hintergrund dieser Veranstaltung ist die seit Januar diskutierte mögliche Gesetzesänderung, die das erst seit August 2009 bestehende beitragsfreie letzte KiTa-Jahr wieder streichen soll. Zusätzlich besteht durch die von Kreis zu Kreis uneinheitliche Sozialstaffel in Schleswig-Holstein ein soziales Ungleichgewicht. Die Sozialstaffel entlastet Eltern mit geringerem Einkommen stufenweise von den Elternbeiträgen, die in Schleswig-Holstein überdurchschnittlich hoch sind. Die Entlastungen durch die Sozialstaffel sind im Kreis Rendsburg-Eckernförde vergleichsweise gering. Weitere Kernforderungen sind eine Sicherung der KiTa-Standards und bessere Arbeitsbedingungen für die pädagogischen Fachkräfte. Das Land schreibt als Mindeststandards eine Gruppengröße von maximal 25 Kindern und dafür einen so genannten Betreuungsschlüssel von 1,5 Fachkräften vor. Schon mit diesen Standards lässt sich keine sinnvolle pädagogische Arbeit durchführen, die die Kinder angemessen fördert und die Bildungsleitlinien des Landes umsetzt. Die Standards dürfen daher auf keinen Fall verschlechtert werden.
Marion Herdan betonte, wie wichtig ihr gerade die Förderung der frühkindlichen Bildung sei. Für sie sei auch noch lange nicht das letzte Wort zur Streichung des letzten beitragsfreien KiTa-Jahres gesprochen. Günther Hildebrand machte deutlich, dass Schleswig-Holstein, um bis 2020 der gesetzlich vorgeschriebenen Schuldenbegrenzung gerecht zu werden, jedes Jahr 120 Mio. Euro einsparen müsse. Er betonte, wir sollten gemeinsam unter den vorhandenen Rahmenbedingungen die besten Möglichkeiten für KiTa, Hort und Schule schaffen.
Kai Dolgner wünschte sich gleiche Grundbedingungen für alle Kinder, unabhängig von ihrem Wohnort. Ferner bedauerte er, dass der SPD-Antrag im Kreis auf 100%ige Beitragsermäßigung für Harzt IV-Empfänger und Geringverdiener statt der jetzigen 85% -Ermäßigung keine Mehrheit finden konnte.
Marret Bohn betonte, dass Kinder oberste Priorität haben müssten. Alle Mittel, die in den Bereich Jugend gegeben würden, seien als Investition in unsere Zukunft zu sehen und nicht als Kosten. Wenn wir nicht massiv gegensteuern würden, sei abzusehen, dass wir zukünftig in allen Bereichen einen Fachkräftemangel hätten. Sie forderte in diesem Zusammenhang den von den Grünen favorisierten „Bildungs-Soli“.
Daniela Asmussen forderte für Die Linke Chancengleichheit für alle Kinder und eine deutliche Verbesserung der KiTa-Standards. So seien z.B. bei einer Gruppengröße von 20 Kindern mindestens drei pädagogische Fachkräfte erforderlich, um den gesetzlichen und gesellschaftlichen Anforderungen an eine KiTa gerecht zu werden.
Anke Spoorendonk erläuterte für den SSW, dass es bei der jetzigen intransparenten KiTa-Finanzierung aus vielen verschiedenen Töpfen verständlich sei, dass die Qualität auf der Strecke bleibe und jeder dem anderen den „Schwarzen Peter“ zuschöbe. Wir müssten Bedingungen schaffen, die Anspruch und Wirklichkeit anpassten.
Es wurde deutlich, dass alle Teilnehmer die Notwendigkeit sehen, gerade die frühkindliche Bildung zu fördern. Allerdings gingen die Meinungen bei der Prioritätenliste für die Verwendung der zur Verfügung stehenden Mittel weit auseinander.
Aus dem Publikum wurde praxisnah berichtet, dass der mögliche Wegfall des letzten beitragsfreien Jahres viele Familien neu überlegen ließe, ob der KiTa-Besuch finanzierbar bleibe. Außerdem wurde mehrfach von Eltern und Erzieherinnen geschildert, dass unter den derzeitigen Bedingungen keine Zeit sei für eine zufriedenstellende Betreuung und Förderung der Kinder. Wenn wir nicht bald das Ruder herumreißen könnten, dann sei die KiTa in nicht allzu ferner Zukunft nur noch Aufbewahrungsort für unsere Kinder, hieß es aus dem Publikum.
Markus Potten, Geschäftsführer des Verbandes Evangelischer Kindertageseinrichtungen, dem in Schleswig-Holstein 600 der insgesamt 1.600 Kitas angehören, warf ein, dass die Politik ohne Bereitstellung neuer Mittel so ehrlich sein sollte, die gesetzlichen Anforderungen an KiTas zu senken. Es sei bereits jetzt nur der schon weit überanstrengten „Muskelkraft“ des pädagogischen Fachpersonals zu verdanken, dass wir überhaupt noch KiTa-Arbeit in der derzeitigen Qualität vorhalten könnten.
Eindeutiger Tenor war eine klare Verlagerung der Priorität in der Politik auf die Förderung unserer Kinder. Auch wenn die Notwendigkeit für drastische Einsparungen vorliegt, dürfen wir auf keinen Fall die Startbedingungen für die Jüngsten und Hilflosesten unserer Gesellschaft beschneiden, denn diese Generation soll in 20 Jahren dazu befähigt sein, unsere Gesellschaft zu tragen.